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Wer alles richtig machen will, macht alles falsch

So lässt sich mein Resümee zur Aufführung von Elfriede Jelineks „Burgtheater“ am Schauplatz seiner Handlung in einem Satz zusammenfassen.

 

Hätte es nicht ausgereicht, den Text originalgetreu auf die Bühne zu bringen? Bietet nicht die Vorlage an sich schon genug Schrilles, Groteskes, Aberwitziges - wie etwa die zum Teil kaum verständliche Kunstsprache der Charaktere? Musste es auch noch eine ins Absurde überzeichnete Inszenierung sein, in der die dargestellten Personen - allen voran die wie immer großartige Birgit Minichmayr als Paula Wessely - zu torkelnden, hysterisch schreienden Witzfiguren verkommen? Und war es unbedingt notwendig, Jelineks Text durch ein Sammelsurium an völlig unzusammenhängenden, (pseudo-)modernen Szenen zu ergänzen?

 

Ich vermute, dass hinter alledem die Absicht steckt, jeden, aber auch wirklich jeden im Publikum „abzuholen“ und allen Alters- und Gesellschaftsgruppen das zu bieten, was sie (vermeintlich) erwarten. Dafür verbiegt man sich bereitwillig in jede Richtung und serviert einfach alles: vom denkbar primitiven Slapstick bis zum nachdenklichen, autobiografischen Monolog, vom  „Podcast“ der Tiktok-Community bis zum postkolonialen Friedensappell. Ergänzt durch eine Prise Gaza,


eine Persiflage auf das moderne „Anti-Theater“ und ein paar saftige Splatter-Szenen, in denen Fingernägel ausgerissen und Gliedmaßen abgetrennt werden, ergibt das - was? 

 

Das fragt sich das überforderte Publikum vom Anfang bis zum Ende dieser unendlich langen 140 Minuten - und wartet ebenso verzweifelt wie vergeblich auf die Pause, deren Ausbleiben jede Fluchtmöglichkeit nimmt.

 

 

„Nie wieder“, lautet das Fazit des Stücks, und in diesem Fall schließe ich mich an: Nie wieder eine Inszenierung von Milo Rau!

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