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Die Klassenkameradin

Martina Berscheid

Klappentext:

Eva ist angeödet von ihrem Leben: von Ehemann Alexander, der sie kontrolliert, ihrem dementen Vater und dem Job in der Dorfkneipe. Ein bevorstehendes Klassentreffen lockt mit Abwechslung. Obwohl und gerade weil ihr Alexander abrät, dort hinzugehen, siegt die Neugierde. Alexander, der vorgibt, ihr eine Enttäuschung wegen zu hoher Erwartungen ersparen zu wollen, verheimlicht ihr die wahren Gründe. Die Begegnung mit ihrer einst unscheinbaren Klassenkameradin Agnes verändert Evas Leben. Ihre lockere und freie Art gefällt ihr. Sie genießt die Treffen mit ihr und wünscht sich insgeheim ebenso ein unabhängiges Leben. Diese Chance bietet sich ihr bald, als Agnes sie bittet, ein paar Wochen auf ihre Wohnung aufzupassen. Diese Zeit öffnet Eva in vielerlei Hinsicht die Augen und sie erfährt mehr über ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte. Die Bekanntschaft zu Agnes wird ihre eigene Beziehung verändern, jedoch völlig anders, als der Leser sich dies vorzustellen vermag.

 

 

Ein Roman über das Leben, die Liebe, menschliche Beziehungen und die Bedeutung von Entscheidungen – tiefgründig und berührend.

 

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Meine Meinung:

Niveauvoller Beziehungsroman mit psychologischer Tiefe

Wie schon ihr Debüt „Das Echo unseres Schweigens“ darf auch der zweite Roman von Martina  Berscheid, „Die Klassenkameradin“, mit Fug und Recht als Bereicherung der deutschen Gegenwartsliteratur bezeichnet werden.

Wir Leserinnen und Leser begleiten die Hauptperson Eva durch ihr biederes, vom Alltag stumpf geriebenes Leben in einem kleinen Dorf. Hier kennt jeder jeden, nichts entzieht sich der Beobachtung der Dorfgemeinschaft – und nichts, was


Eva tut oder auch unterlässt, entzieht sich der Beobachtung und Kontrolle ihres liebenden, aber überfürsorglichen und dominanten Ehemannes. Hin- und hergerissen zwischen Dankbarkeit für das, was ihr gegeben ist, und Sehnsucht nach dem, was ihr fehlt, strebt Eva nach einer inneren Balance, die sich schlicht nicht einstellen will. Auf einem Klassentreffen begegnet sie ihrer ehemaligen Schulkameradin Agnes, die sich inzwischen Agnès nennt und vom blassen Mauerblümchen zur schillernden Femme fatale gemausert hat. An ihrer Seite durchläuft die brave Hausfrau so etwas wie eine Initiation: Erstmals erfährt sie am eigenen Leib, dass man sich die Freiheit, die man sucht, auch einfach nehmen, sich von Konventionen und Zwängen emanzipieren kann. Sie taucht ein in eine bis dahin fremde Welt von Luxus und hemmungslosem Genuss und lässt sich bereitwillig in das schillernde Dasein ihrer Freundin entführen, das so gar nichts mit ihrem bisherigen Leben zu tun hat. Als Agnès sie für die Dauer ihrer zweimonatigen Abwesenheit als Homesitterin engagiert, nimmt Eva das Angebot freudig an – nicht ahnend, dass sie sich damit auf ein Spiel einlässt, dessen Regeln sie weder durchschaut noch beherrscht, und das nachhaltige Auswirkungen auf ihr weiteres Leben entfalten wird.

 

Mit viel Menschenkenntnis und psychologischem Feingefühl zeichnet die Autorin ihre Charaktere, ohne in den Fehler der Einseitigkeit zu verfallen. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß, kein Gut oder Böse. Ihre Protagonisten sind Menschen wie du und ich, mit Stärken und Schwächen, Sehnsüchten und Ängsten, geprägt von ihren individuellen Schicksalen, die auf der ewigen Suche nach dem großen Glück immer wieder an sich selbst scheitern. So glaubwürdig und lebensnah beschreibt Martina Berscheid ihre Charaktere, dass wir uns intensiv mit ihnen identifizieren, ihre Gefühle nachempfinden und so manchen unserer eigenen Charakterzüge in ihnen wiedererkennen. Selbst die Antagonistin bleibt bei all ihrer Skrupellosigkeit und zerstörerischen Kraft ein Mensch, dessen Beweggründe und tiefe Einsamkeit sich dem Leser erschließen und ihr Handeln wenn schon nicht nachvollziehbar machen, so doch erklären.

 

Der Schreibstil der Autorin kann sich sowohl sprachlich als auch im Ausdruck mit den Werken angesehener Literatinnen messen. Auch der Spannungsbogen bleibt durchgehend erhalten. Dieser Beziehungsroman, angereichert mit Elementen eines Thrillers, lässt uns kaum eine Chance, sich seinem Sog zu entziehen – er will in einem Zug gelesen werden.

 

Dass die Protagonistin – und vermutlich auch die Autorin – zufällig auch noch meinen Musikgeschmack teilen, setzt dem Lesegenuss für mich noch das berühmte Sahnehäubchen auf.

 

Von mir gibt es für diese wertvolle Neuerscheinung eine ganz klare Leseempfehlung! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

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